Liebe Besucher,

Willkommen zu dieser neuen Website über den bekannten und zu Lebzeiten mit zahlreichen Ehrungen und Preisen bedachten Raketeningenieur und -Manager Dr. Wernher von Braun (1912-1972; siehe Fotoserie oben auf dieser Startseite und das Bild unten).
Die Website zum gleichnamigen Buch dürfte sich von den meisten anderen Seiten über Wernher von Braun unterscheiden. Es geht bei ihr ausschließlich um seine Schaffensperiode bis Ende des 2. Weltkriegs in Deutschland, und zwar vorrangig um die Frage, ob überhaupt und, falls ja, inwieweit er wirklich „tief in die Machenschaften des Nazi-Regimes verstrickt war und den Tod von 20.000 Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen als Teil des NS-Vernichtungsapparates mitverschuldete“, wie es Medien allzu gerne – und vorschnell – formulieren. Nicht selten machen Teile der Öffentlichkeit deshalb aus ihm einen „Massenmörder“. Diese allgemeine Generalverurteilung aufgrund meist quellenunkritischer Übernahme von “Erzählungen”  erfordert dringend eine vertiefte Betrachtung – und Richtigstellung. So ist es unter anderem nötig, objektiv an Hand von Primärquellen und persönlichen Aussagen Wernher von Brauns der Frage nachzugehen, inwieweit die “Verstrickung in die Machenschaften des Nazi-Systems” nicht freiwillig, sondern aufgezwungen war.

In meinem Wohnort Friedberg, einer kleineren Stadt vor den Toren Augsburgs, gab es bis Dezember 2013 ein Wernher-von-Braun-Gymnasium. Es hat nach 35 Jahren auf Druck der Öffentlichkeit, vor allem auf beständigen Druck der örtlichen Tageszeitung, Teile der politischen Parteien und einigen Organisationen seinen Schulnamen zurückgegeben und heißt seit dem 1. Februar 2014 nach vielen, teilweise emotional geführten Diskussionen Staatliches Gymnasium Friedberg. Die Tageszeitung tat sich dabei mit zahlreichen einseitigen Redaktionsbeiträgen contra Wernher von Braun, also pro Namensverzicht, hervor. Eine differenzierte pro/contra-Argumentation, wie sie für seriöse Zeitungen und Zeitschriften eigentlich selbstverständlich sein sollte, erfolgte leider nicht; entsprechende Leserbriefe mit von der Redaktion abweichender Meinung wurden oft gar nicht oder nur stark gekürzt abgedruckt. Da im Lauf der Zeit das Bayerische Kultusministerium, zahlreiche Kommunalpolitiker, der Landkreis Aichach-Friedberg und viele andere Organisationen die Sichtweise der Tageszeitung übernahmen, sah sich das Friedberger Wernher-von-Braun-Gymnasium dem Dauerstreit nicht mehr gewachsen. Es hatte sich allerdings vor einiger Zeit schon von sich aus von Wernher von Braun distanziert; Argumentationshilfen von externen Fachleuten aus der Technik, Naturwissenschaft, Raumfahrtindustrie und aus der neueren historischen Forschung nahm die Schule nicht an.

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Wernher von Braun (links) erhielt für seine fachlichen Leistungen zahlreiche internationale Ehrungen und besaß mehr als 25 Ehren-Doktorate. Dieses historische Foto von Januar 1959 zeigt die Verleihung der Präsidenten-Verdienstmedaille durch den damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower (Bildmitte). Foto: NASA-MSFC

Da es in Deutschland derzeit zwar von anfangs drei nur noch eine einzige Wernher-von-Braun-Schule, aber zahlreiche Wernher-von-Braun-Straßen gibt (siehe Rubrik “Aktuelles“), droht in den betreffenden Gemeinden und Städten unter Umständen ein ähnlich unerfreulicher Streit wie in Friedberg. Der Name des Raketeningenieurs steht mittlerweile schon viele Jahre in der Kritik; es wundert mich daher, dass nicht schon früher eine Website wie diese erstellt wurde, um die meist völlig kritiklos übernommenen Anschuldigungen, die im Wesentlichen auf einige wenige überkritische Biografien von “Historikern” über Wernher von Braun zurückgehen, genau zu analysieren, zu bewerten und wo nötig zu berichtigen.

Dazu ein typisches Beispiel – eines von vielen, das aufzeigen soll, wie Wernher von Braun zu Unrecht beschuldigt, angegriffen und teilweise auch verunglimpft wird. Er hatte bereits zu Peenemünder Zeiten mehrfach klargestellt, dass er in der Entwicklung der A4-Großrakete einen ersten entscheidenden Schritt in Richtung auf eine künftige Weltraumfahrt sieht und ihr militärischer Einsatz nur ein unvermeidbarer Zwischenschritt dazu ist (für diese Aussage musste er wegen “Wehrkraftzerstetzung” 14 Tage in ein Gestapo-Gefängnis und kam nur mit viel Glück durch das Verhandlungsgeschick seines direkten Vorgesetzten, Walter Dornberger, ohne Verurteilung wieder frei).
Die Medien und die Gegner von Wernher von Braun behaupten jedoch beharrlich, dass dies nichts anderes als eine “Schutzbehauptung” von ihm war.  Angeblicher Beweis dafür: die A4 sei von ihrem technischen Konzept her nur für militärische und nicht für zivile Einsätze geeignet gewesen. Für die allgemeine Öffentlichkeit klingt dies plausibel – und schon steht der Raketeningenieur, der sich nicht mehr selbst erklären kann, in der Öffentlichkeit als Lügner da.

GPN-2003-00062_BumperWAC_24.2.1949Die Rakete A4 als Erststufe einer Höhenforschungsrakete in einer historischen Aufnahme von Februar 1949: die A4 in amerikanischer Bemalung startet mit einer aufgesetzten amerikanischen WAC-Corporal-Zweitstufe von White Sands (nördlich von El Paso) zu einem rein wissenschaftlichen Einsatz ins Weltall. Es wurden dabei Flughöhen um 400 km erreicht. Foto: NASA

 

 

 

 

Doch die Behauptung, dass die Rakete A4 nicht für zivile Anwendungen geeignet gewesen wäre, ist falsch. In den späten vierziger und den ersten fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden nämlich in den USA rund 70 bei Kriegsende in Deutschland erbeutete A4-Raketen gestartet, die meisten von ihnen zu rein wissenschaftlichen Zwecken, siehe Foto. Die Startvorbereitung und Startdurchführung lag dabei übrigens in Händen von Wernher von Braun und vielen seiner früheren Peenemünder Mitarbeitern. Es erfolgten wissenschaftliche Messungen in großen Höhen, in die damals Höhenforschungsballone, Flugzeuge und selbst andere Raketen nicht vordringen konnten (wissenschaftliche Erdsatelliten gab es erst ab 1957, also erst knapp drei Jahrzehnte später).

 

Vor allem hat mich überrascht, dass es keine Wernher-von-Braun-Biografie neueren Datums gibt, die die damaligen Verhältnisse bei der Entwicklung der deutschen militärischen Großrakete A4 (V2) in Peenemünde und dem Serienbau in den beiden letzten Kriegsjahren im Kohnstein im Südharz beschreibt und dabei auf die äußerst schwierige Rolle von Wernher von Braun als Technischer Direktor und Entwicklungschef der A4 in Peenemünde eingeht. Eine Rolle, die es ihm unmöglich machte, das äußerst bedauerliche Los der vielen geschundenen KZ-Häftlingsarbeiter in der Untertage-Raketenfabrik Mittelwerk GmbH im Kohnstein zu lindern – ohne sein eigenes Leben zu gefährden. Übersehen wird auch, dass das “Personalwesen” in der Mittelwerk GmbH nicht zu den Aufgaben des Raketeningenieurs zählte (sondern eine reine SS-Angelegenheit war), dessen Dienstsitz bis Kriegsende Peenemünde auf Usedom blieb.

Noch vor fünf oder zehn Jahren haben ehemalige Peenemünder Raketenbauer und -Entwickler, wie Kollegen und Sekretärinnen von Wernher von Braun, gelebt; ihre persönlichen Erlebnisse und Eindrücke hätten die Basis für ein derartiges Werk gegeben. Doch die wenigen aus diesem Kreis, die heute noch leben, sind mittlerweile sehr alt, krank oder erbost und verbittert über die an Geschichtsfälschung grenzenden Darstellungen und die Folgerungen daraus. Aber auch frühere und heutige leitende Angestellte von Raketen- und Raumfahrtunternehmen hätten zur Feder greifen und den meisten Anschuldigungen in Buchform widersprechen können, ja müssen – und zwar viel besser als ich es kann. Sie haben es meines Wissens nicht getan. Den Grund dafür kenne ich nicht, kann ihn mir aber denken.

Nun ist meine aktuelle Wernher-von-Braun-Biografie, die zahlreiche und ganz unterschiedliche Aspekte berücksichtigt und sich deshalb auch mit der Erziehung, der Ausbildung, der Religiosität, der Persönlichkeit und dem eigentlichen – begrenzten – Zuständigkeitsbereich des Raketeningenieurs im 2. Weltkrieg in Deutschland befasst, Mitte Juni 2014 erschienen. In der Rubrik „Neue Biografie“ finden Sie neben dem Coverbild und der Rückseite des Druckwerks das Inhaltsverzeichnis und Informationen zur Bestellung.

Ich lade alle Besucher dieser Website ein, die sich mit dem Thema „Wernher von Braun“ näher befassen oder befasst haben, Stellungnahmen oder kürzere Artikel von allgemeinem Interesse für diese Website zur Verfügung zu stellen (Kontaktmöglichkeiten siehe „Impressum“). Auch für jeden Hinweis zur Verbesserung dieser Website bin ich dankbar. Bürgerinnen und Bürger von Gemeinden und Städten mit Wernher-von-Braun-Straßen, um deren Namensänderung sich eine Diskussion anbahnen könnte oder bereits im Gange ist, möchte ich bitten, sich mit näheren Einzelheiten mit mir in Verbindung zu setzen. Ich würde diese Informationen nicht nur für die Rubrik “Aktuelles” verwenden, sondern mich dafür einsetzen, dass die jeweiligen Entscheidungsträger Fakten erfahren, die Wernher von Braun entlasten. Er hat es verdient (man muss geradezu froh sein, dass er die regelrechte Hetzjagd gegen ihn nicht mehr miterlebt hat).

 

Friedberg, im April 2014

Horst Köhler