Sonstiges

„Ich war vielleicht in erster Linie ein Katalysator, habe viele entscheidende Episoden dieses Dramas nur am Rande miterlebt und stand manchen Ereignissen und Kräften, die meine Tätigkeit ausgelöst hatten, wie Goethes Zauberlehrling am Schluss bestürzt und hilflos gegenüber.“

Zitat Wernher von Brauns aus B. Ruland: „Mein Leben für die Raumfahrt“, Burda Verlag Offenburg, 1969

„Ich selbst bin vielfach kritisiert worden, dass ich überhaupt meine Hand dazu hergegeben habe, eine Rakete wie die V2 zu entwickeln. Ich glaube, dass ich eine andere Wahl nicht hatte. Ich glaube aber auch, dass die Schaffung der Raketenwaffe auch etwas Positives für sich hat. Ich möchte so weit gehen, dass ich sage, sie ist heute der wirksamste Friedenshüter der Welt geworden. Der Krieg ist einfach eine Unmöglichkeit geworden.
Ich glaube jedoch, dass die nachhaltigste Wirkung, die die Rakete im menschlichen Leben haben wird, nicht ihr Einsatz oder auch nur nur ihr Vorhandensein als Waffe sein wird. Ich glaube, ihre wichtigste Rolle wird sein, dass sie den Arbeitskreis, den Wirkungskreis des Menschen über seinen Heimatplaneten hinaus erweitert und ihm das Universum erschließen wird …“

Wernher von Braun aus seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung der Akademischen Würde Doktor-Ingenieur Ehrenhalber an ihn und an Hermann Oberth durch die Technische Universität Berlin am 8.1.1963 (www.ifr-raumfahrt-gesellschaft.de)

 

 

6417613

Trotz seines großen Verantwortungsbereiches und des stets übervollen Terminkalenders fand der Raketen- und Raumfahrtingenieur oft die Zeit, sich mit Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen. Dieses Bild zeigt W. von Braun mit einigen Mitgliedern des Boy Clubs von Huntsville (Aufnahme von August 1961).

 

 

 

 

 

 

 

Neue deutsche 60-Cent-Briefmarke mit dem Portrait von Wernher von Braun

Im Laufe der Jahrzehnte gaben die Postbehörden vieler Länder Serien- und Sonderbriefmarken zu Ehren von Wernher von Braun heraus. Im Rahmen des Postwertzeichenprogrammes „Briefmarke individuell“ der Deutschen Post erschien vor wenigen Wochen eine neue Wernher-von-Braun-Marke im Wert von 60 cent, siehe Bild. Initiiert und gestaltet wurde sie vom „Förderkreis TECHNIKMUSEUM Wernher von Braun e.V.“.  Mit dieser Briefmarke, nach langer Zeit die erste, die wieder an den Raketenforscher erinnert,  können alle Standardbriefe bis 20 g Gewicht frankiert werden, die innerhalb Deutschlands verschickt werden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin Bogen der neuen Wernher-von-Braun-Gedächtnismarken mit 20 Marken zu je 60 cent. Eine Briefmarke misst 55 x 32 mm. Foto: Horst Köhler.

 

 

Bestellt werden können die Marken über das Internet bei www.post-individuell.de. Dort steht eine entsprechende Maske zum Ausfüllen bereit. Telefonische Anfragen sind unter Tel. 0228 / 9086 19 bei Post-Individuell möglich.
Leider sind die neuen Wernher-von-Braun-Briefmarken im Gegensatz zu den „normalen“ Standardbriefmarken der Deutschen Post nicht gerade billig: so verlangt die Post beispielsweise für einen Bogen = 20 Briefmarken zu je 60 cent 33,18 Euro incl. MWSt.
H.K.

 Dieser Beitrag wurde am 29. April 2014 online gestellt.

 

 

Interessante Buch-Neuerscheinung 2014:

Cover Buch Raketentriebwerke_kleinOlaf Przybilski: Raketentriebwerke aus dem deutschen Heereswaffenamt. Band 1: Vermischungsstrategien bei der Injektorentwicklung in Kummersdorf
BoD-Verlag Norderstedt, Hardcover, Format DIN A4, 168 Seiten, 102 Abbildungen (davon 34 in Farbe), 10 ganzseitige Tafeln, ISBN 978-3-7357-3660-4, Preis € 46,90

Es handelt sich um ein für jeden Raketenfachmann lehrreiches, unterhaltsam und zugleich spannend geschriebenes Fachbuch über die frühe Entwicklung von Flüssigkeits-Raketenbrennkammern des damaligen Heereswaffenamtes in Kummersdorf; es umfasst den Zeitraum von etwa Ende 1929 bis Ende 1934. Der Autor hat als einer von ganz wenigen Raketeningenieuren – dies ist er in erster Linie und erst in zweiter Linie Historiker, die in der Vergangenheit so manche Falschdarstellung produziert haben –  gründlich in mehreren Archiven recherchiert, historische Briefwechsel ausgewertet und eigene Nachrechnungen angestellt. Als unbestrittenes Highlight präsentiert er in seinem Buch eindrucksvolle dreidimensionale Nachkonstruktionen diverser Brennkammern und den ersten deutschen Flüssigkeitsraketen. Vieles wird gegenüber früheren Veröffentlichungen über die Geschichte der deutschen Raketentechnik klargestellt und korrigiert. So mancher früherer Autor wird von Przybilski, einem ausgesprochenen Fachmann auf seinem Gebiet, wegen Aussagen und Behauptungen in seinen Druckwerken kritisiert (z.B. Nebel, Dornberger, Neufeld, auch Wernher v. Braun). Allerdings ist die „Beweislage“ in einigen Fällen, die teilweise über 80 Jahre zurückliegen, mangels fehlender oder unvollständiger Dokumente nicht immer ganz eindeutig, so dass Przybilski auch einige hypothetische Aussagen äußert.

Ob es allerding gerechtfertigt ist, Wernher von Braun’s Autorenschaft seiner 1934 vorgelegten Dissertation anzuzweifeln, wird unterschiedlich gesehen: Natürlich enthält die Dissertation von W. von Braun, die seit 1959/60 in einem Nachdruck vorliegt, einige Widersprüche, nennt zu wenige Zeitangaben, nimmt nicht Bezug auf ähnliche, zeitlich sogar früher stattgefundene deutsche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten an Flüssigkeits-Raketenantrieben (z.B. Winkler, Sander, Wahmke, Riedel, Heylandt) und hat auch handwerkliche Fehler (wie fehlende Diagramme). Doch man muss auch sehen, dass der sehr junge Doktorand Wernher von Braun bereits im April 1934 im Alter von erst 22 Jahren, nur rund 1  1/2 Jahre  nach seinem Eintritt als ziviler Angestellter in das Heereswaffenamt – zu diesem Zeitpunkt hatte er gerade erst seine Vorprüfung abgelegt -, seine (geheime) Doktorarbeit vorgelegt hat. Sein großer Ehrgeiz, der schon als Gymnasiast zu erkennen war, dürfte es ihm nach meiner Meinung verboten haben, seine Dissertation von jemand anderem in Teilen oder gar ganz erstellen zu lassen. Vor allem deswegen, weil er in der ersten Zeit ein „Einzelkämpfer“ war: erst im Frühjahr 1933 wurde ihm ein erster Mitarbeiter genehmigt. Es gab also im Heereswaffenamt in der Anfangszeit niemand, der ihm bei der Dissertation über ein noch relativ neues Fachgebiet maßgeblich unter die Arme hätte greifen können. Die existierenden Ungereimtheiten in der Arbeit hängen wohl damit zusammen, dass die Triebwerksversuche geheim waren, unter hohem Zeitdruck erfolgten und dass den militärischen Arbeitsgebern von Wernher von Braun nicht daran gelegen war, zuzugeben, dass auch an anderer Stelle an Raketenantrieben gearbeitet wurde. Außerdem ist unsicher, ob der oben angesprochene Nachdruck der Dissertation aus 1959/60 in allen T’eilen mit der ursprünglichen Originalarbeit völlig identisch ist.

Diese Anmerkungen können freilich den Wert der Neuerscheinung nicht mindern. Man darf daher auf die angekündigten weiteren Bände schon heute gespannt sein und dem Druckwerk eine gute Verbreitung wünschen.

Horst Köhler, online gestellt am 21. August 2014